Erste Hilfe beim Hund – 5 Schritte, die im Notfall Leben retten

von Sep 12, 2019Gesundheit

Natürlich hofft niemand, dass seinem Hund etwas zustößt. Allerdings kannst du Unfälle oder Krankheiten leider nicht immer verhindern. Erste Hilfe Maßnahmen beim Hund sollten allen Hundebesitzern bekannt sein.

Dieser Beitrag zeigt dir die richtige Vorgehensweise für die Erstversorgung deines verletzten Vierbeiners. Wichtig ist, dass du dir den Leitfaden für Erste Hilfe beim Hund in Ruhe durchliest und nicht, wenn ein Notfall bereits eingetreten ist.

Warum Erste Hilfe beim Hund im Notfall so wichtig ist

Gerade bei Hunden ist Erste Hilfe enorm wichtig, da diese unüberlegt handeln und schnell mal außerhalb der 4 Wände herumlaufen. Das Umfeld ist für Hunde voller Gefahren und unvorhersehbaren Situationen. Von Vergiftungen durch giftige Lebensmittel für Hunde, über einen Kampf mit dem Nachbarshund, bis hin zu schweren Verkehrsunfällen – es kann vieles passieren! 

Wie für den Menschen auch versteht man unter Erster Hilfe beim Hund lebensrettende und gesundheitserhaltende Sofortmaßnahmen. Diese sollten von jedem erlernt sein und bei Notfällen angewendet werden können. Im wesentlichen unterscheiden sich die Schritte der Erste Hilfe beim Hund nur wenig von der des Menschen.

Wir zeigen dir, wie du in 5 Schritten professionell und souverän Erste Hilfe bei Hunden leistest.

1. Hund beruhigen und kühlen Kopf bewahren

Wenn du einen verletzten Hund findest, nähere dich ihm vorsichtig und rede ruhig und langsam mit dem Hund. Viele verletzte Hunde versuchen reflexartig und unter Schockwirkung vom Unfallort zu fliehen, wodurch sie sich häufig noch schwerer verletzen. Außerdem können sich die Hunde natürlich auch, aufgrund von Schmerzen, Ängsten und Panikattacken, zur Wehr setzen und den Helfenden attackieren. Achte daher steht zuerst auf einen eigenen Selbstschutz.

Wichtig ist, dass vor allem du auch ruhig bleibst und nicht in Panik ausbrichst. Auch, wenn es dir in so einer Situation womöglich schwer fällt – versuche einen kühlen Kopf zu bewahren und rational zu handeln. Nur so sind lebensrettende Erste Hilfe Maßnahmen am Hund möglich.

2. Hund aus Gefahrenzone bringen und Tierarzt kontaktieren

Versuche anschließend den Hund so schnell es geht aus der Gefahrenzone zu bringen. Solltest du dich dem Hund nicht problemlos nähern können, kann man sich eines kleinen Tricks bedienen. Dabei wird eine Decke über den Hund geworfen und damit eingefangen. Durch die Decke ist es dem Hund nicht möglich zu entkommen. Außerdem kannst du ihn greifen, ohne dir größere Schäden durch Kratzen oder Beißen zuzuziehen. 

Wenn du den Hund hast, befördere ihn an einen sicheren Ort und lasse ihn nicht entkommen. Rufe nun umgehend den Tierarzt an und beachte seine Anweisungen. So kann er sich schon auf dein Eintreffen vorbereiten und schnellstmöglich helfen. Beim Anruf ist es, wie beim Menschen auch, wichtig, die 6 W-Fragen zu berücksichtigen.

  • Wer ruft an?
  • Wo ist es passiert?
  • Was ist passiert?
  • Welche Verletzung liegt vor?
  • Wie viele sind betroffen?
  • Warten auf Rückfragen!

3. Vitalfunktionen kontrollieren und erhalten

Bis der Hund bereit für den Transport zum Tierarzt ist, hat die Stabilisierung des Hundes oberste Priorität. Hierzu gilt es, die Vitalfunktionen aufrecht zu erhalten. Diese Vitalfunktionen müssen vor dem eigentlichen Leisten der Ersten Hilfe beim Hund dringend überprüft werden.

Stabile Seitenlage

Um die Vitalfunktionen optimal kontrollieren zu können, bringe deinen Hund zuerst in die stabile Seitenlage. Greife quer von links über den Kopf den unten liegenden Fuß des Hundes und ziehe ihn nach vorne weg. 

Der Hund liegt somit auf der rechten Seite und könnte direkt wiederbelebt werden. Mit dem Druck auf den Hals kann man den Hund daran hindern aufzustehen. Wenn der Hund nicht bei Bewusstsein ist, lagere den Kopf etwas erniedrigt, indem du eine Kleinigkeit unter den Brustkorb bzw. unter den hinteren Körper legst. Der Hals muss durchgestreckt sein.

1. Puls messen

Prüfe zuerst den Puls des in Not geratenen Hundes. Für kleinere Hunde ist ein Pulsschlag von 100 – 120 in der Minute normal. Bei größeren Hunden schlägt das Herz minütlich nur etwa 80 – 100 mal. Für gewöhnlich ist der Puls bei aufgeregten Hunden oder am Abend generell etwas höher. 

Am besten misst du den Puls an der Schlagader im inneren Bereich des Oberschenkels mit dem Finger. Dabei reicht es aus, wenn du die Herzschläge innerhalb von 15 Sekunden zählst und mal 4 nimmst. So sparst du wertvolle Zeit. Ist es dir nicht möglich Zugang zu den Hinterbeinen zu erlangen? Dann kannst du auch versuchen den Herzschlag am Brustkorb zu fühlen. 

Wenn du keinen Herzschlag wahrnehmen kannst, dann leite sofort die Maßnahmen zur Wiederbelebung ein.

2. Atmung prüfen

Auch bei der Atemfrequenz gibt es Unterschiede. Für einen kleinen Hund sind 18 – 30 Atemzüge in der Minute normal, während größere Hunde nur 14 – 22 Atemzüge aufweisen. Natürlich kann durch Aufregung, Anstrengung oder das Wetter die Atemfrequenz erhöht werden. 

Überprüfe dazu den Luftzug um die Nase herum und entferne mögliche Partikel, damit das Tier frei atmen kann. Schnelles Hecheln oder flacher Atem zeigen Schmerzen und Verletzungen an. Du kannst du Atmung auch wahrnehmen, indem du auf Atemgeräusche oder Atembewegungen achtest.

Ist eine gar keine Atembewegung zu spüren? Dann beginne umgehend mit den Wiederbelebungsmaßnahmen!

3. Kreislauf kontrollieren

Eine gute Einschätzung zum allgemeinen Kreislaufzustand geben dir die Schleimhäute. Dazu drückst du mit deinem Finger kurz auf die Schleimhaut der Lefze. Die normale kapillare Rückflusszeit des Blutes ist etwa 2 Sekunden. Dauert es länger, bis sich die Gefäße wieder mit Blut füllen, kann dies auf einen schlechten Kreislauf hindeuten. 

Auch mit Hilfe der Augen kannst du dir einen ersten Eindruck verschaffen. Gibt es Auffälligkeiten bei den  Augen? Große Pupillen und eine rote Nickhaut deuten oft auf eine Vergiftung hin. Die Nickhaut ist das sogenannte dritte Augenlid des Hundes und eine zusätzliche Bindehautfalte im nasenseitigen Augenwinkel. Gesunde Hunde haben eine weiße Nickhaut und nur wenig sichtbare Blutgefäße. 

Regt sich der Hund oder liegt er komplett still da? Berühre den Hund vorsichtig und beobachte seine Motorik. Eine verlangsamte Motorik lässt unter anderem auch auf Kreislaufprobleme schließen. Ist der Hund überhitzt und unterkühlt?

Ebenso kannst du an den Schleimhäuten sehr gut die allgemeine Gesundheit des Hundes beurteilen. Blasse Schleimhäute deuten auf Blutarmut oder einen Schock hin. Sind die Schleimhäute gräulich oder pink, kann dies auf eine Vergiftung hinweisen. Hat der Hund Leberprobleme, färbt sich die Schleimhaut gelblich. Eine bläuliche Farbe zeigt Sauerstoffmangel. Um Veränderungen der Schleimhäute zu erkennen, halte den Finger an einer Stelle 3 Sekunden gedrückt. Gesunde Hunde haben rosa, glatte, feuchte und glänzende Schleimhäute.

4. Erste Hilfe beim Hund leisten 

Wiederbelebungsmaßnahmen

Der gefährlichste und kritischste Punkt ist die Reanimation von Hunden. Nachdem beim Hund keine Lebenszeichen wahrzunehmen sind, musst du sofort mit der Wiederbelebung beginnen.

Sollten weder Herzschlag noch Atmung spürbar sein, musst du eine Herzdruckmassage anwenden. Eine Mund zu Nase Beatmung ist hier eher sekundär. Optimalerweise beleben zwei Personen das Tier, eine mit einer Herzdruckmassage, während die andere beatmet.

Herzdruckmassage

Taste dich vorsichtig an die linke untere Hälfte des Brustkorbes heran und platziere dort deine Handballen übereinander. Bei kleineren Hunden oder Welpen reichen auch oft Daumen und Zeigefinger, da zwei Handballen zu viel Kraft auf die empfindlicheren Knochen ausübt. 

Führe nun kräftige und gleichmäßige Druckbewegungen etwa 1 -2 mal pro Sekunde aus. Nach 10 – 15 Stößen solltest du den Herzschlag des Tieres überprüfen und, falls nötig, den Prozess mehrfach wiederholen.

Mund zu Nase Beatmung

Eine Mund zu Nase Beatmung sollte nur dann durchgeführt werden, wenn der Hund einen Herzschlag hat und nur die Atmung fehlt. Dazu muss der Hund auf die rechte Seite gedreht und der Kopf möglichst weit nach hinten platziert werden, um eine gute Atmung zu ermöglichen. Öffne die Schnauze des Tieres und entferne, falls vorhanden, Erbrochenes oder Fremdkörper. Anschließend wird die Zunge des Hundes herausgestreckt. 

Halte nun die Schnauze des Hundes fest und umschließe diese eng mit deinen Händen, sodass keine Luft entweichen kann. Anschließend puste mehrmals pro Minute (3-5 Mal) Luft durch die Nase des Hundes. Achte darauf, dass das Lungenvolumen von Hunden deutlich kleiner ist, als das Volumen eines Menschen. Beatme den Hund also vorsichtig. Beobachte, ob sich die Brust des Hundes wieder hebt und senkt und wiederhole die Beatmung bei Bedarf.

Sind der Kreislauf des Hundes soweit stabilisiert und lebenserhaltende Maßnahmen durchgeführt, solltest du nun größere, offensichtliche Verletzungen versorgen. Nur so kann der Hund sicher zum Tierarzt transportiert werden.  

Erste Hilfe bei starken Blutungen 

Wenn du eine starke Blutung bei deinem Hund feststellst, sollte mit Hilfe eines Druckverbandes umgehend Erste Hilfe geleistet werden. Nimm dazu einen sterilen Tupfer aus deiner Haustierapotheke oder vom Verbandskasten aus dem Auto und umwickle die verletzte Stelle großzügig mit einer Mullbinde. Das ist wichtig, damit eine gute Grundlage entsteht und die Gliedmaße nicht eingeschnürt wird.  Die blutenden Stellen und offenen Wunden vorsichtig behandeln, da sonst Infektionsgefahr besteht. Um nun den Druck zu erhöhen leg eine 2. Mullbinde oder ein Taschentuch auf die Wunde und wickle die restliche Mullbinde (nicht zu fest) herum. Am Schluss fixierst du den Verband mit einem Heftpflaster oder ähnlichem. Bei Bedarf kannst du auch ein T-Shirt, eine Jacke oder einen Schal nutzen.

Die Gliedmaße sollte nicht anschwellen. Bei starken Blutungen mit hellrotem Blut muss die Extremität mit hohem Druck abgebunden werden, da sonst Verblutungsgefahr besteht. Wenn die Blutung dadurch nicht gestillt wird, drücke das Blutgefäß mit beiden Händen oberhalb der Wunde in Richtung des Herzens ab.

Erste Hilfe bei Knochenbrüchen

Ein Knochenbruch bei Hunden macht sich durch eine atypische Bewegung deutlich. Der Hund bewegt sich anders als normal und die Gliedmaße baumelt herab und wird zu einer Behinderung für den Hund. Wenn der Unfall bereits einige Zeit her ist, ist auch eine Schwellung an der Bruchstelle ersichtlich.  

Bevor du den Hund transportieren kannst, muss das verletzte Bein mit Hilfe einer Schiene stabilisiert werden. Hierfür benötigst du Watte zum Polstern der Bruchstelle und eine Schiene. Rolle dazu am besten eine Zeitung vorsichtig um das Bein oder nimm einen Holzstab.

Achte darauf, dass die Schiene weit oberhalb der Bruchstelle endet. Abschließend umwickelst du das gebrochene Bein vorsichtig und nicht zu fest mit einer Bandage. Berücksichtige auch weitere Verletzungen, die womöglich nicht von außen zu sehen sind.

Handelt es sich um einen offenen Knochenbruch sollte die Gliedmaße ruhig gestellt werden und evtl. ein Maulkorb angelegt werden. Hier keine Schiene anlegen, sondern unbehandelt lassen und umgehend einen Tierarzt aufsuchen. 

Erste Hilfe bei Vergiftungen

Vergiftungen beim Hund sind immer ein medizinischer Notfall. Hast du beobachtet, wie dein Hund etwas giftiges frisst, dann bewahre es auf und bringe es dem Tierarzt mit. In einigen Fällen kann durch Erbrechen noch das schlimmste verhindert werden. Wenn der Hund dies nicht reflexartig von alleine tut, wird ihm beim Arzt oft die Kotz-Spritze gegeben, damit die Giftstoffe gar nicht erst in die Blutlaufbahn gelangen. Dies sollte aber je nach Gift nicht länger als 4 Stunden dauern. Bei manchen Substanzen wie Schneckenkorn gelangt das Gift bereits nach 30 Minuten in den Magen-Darm-Trakt. Also bei Verdacht auf eine Vergiftung kannst du nicht viel tun, außer sofort zum Tierarzt zu fahren.

5. Hund transportfähig für den Tierarzt machen

Wie man den Hund am besten zum Tierarzt transportiert kann pauschal nicht gesagt werden. Generell gilt: wenn der Hund gehen kann oder sich aufrichten will, sollte man ihn lassen. Wenn der Hund einen schwachen Kreislauf hat, ist es besser, das hintere Körperteil etwas zu erhöhen, damit das Blut in den Kopf fließt. Wenn der Hund bewusstlos ist, solltest du ihn in der stabilen Seitenlage befördern und den Kopf stets erniedrigt lagern.  Die Fahrt zum Tierarzt sollte, nachdem der Hund stabilisiert wurde, so schnell wie möglich erfolgen. Wenn du selbst zu aufgeregt zum Fahren bist, sollte jemand anders hinter das Steuer gehen. Idealerweise sollte eine Person während der Fahrt den verletzten Hund betreuen. Stelle während der Fahrt sicher, dass dein Hund befestigt ist und nicht entweichen kann.   

Wenn du diese Maßnahmen berücksichtigst und souverän anwendest, kannst du im Notfall nicht nur deinen Hund retten sondern auch das Leben vieler anderer Tiere.